Mittwoch, 30. September 2015

Cello lernen welches Alter?

Bis zu welchem Alter kann man/frau Cello spielen lernen?


"Ich würde gern mit 40 (50) Jahren noch Cello spielen lernen. Geht das?" Das sind Fragen in Foren. Kurze Frage, knappe Antwort: Ja, geht. Der ausgewachsene Cellist hat zwar ganz schön lange gelernt, bevor er auf Tour gehen konnte, aber für so ein wundervolles Instrument ist es nie zu spät. Nur die ganz großen Konzerte dauern wirklich eine Weile, bis sie vortragsreif sind. Eine weitere Frage bezieht sich stets auf das nötige Instrument. "Gibt es ein Cello auch gebraucht?" Ja, mein Lieber. Die meisten Celli sind gebraucht, manchmal schon ein paar Hundert Jahre lang. Das Cello kann heute online bezogen werden, der Kauf lohnt sich ab einer Preislage um 1.500 bis 3.000 Euro. Bei manch einem Geigenbauer lassen sich auch günstige Schnäppchen finden, die angehende Cellisten anspielen könnten, doch das können sie ja noch nicht. Sie wollen schließlich erst einmal Cello lernen. Man kann auch mit einfachen Stücken anfangen wie diesem hier:




Muss man zum Cello spielen lernen Unterricht nehmen?

http://kultur-am-wochenende-kaufbeuren.blogspot.de/

Das ist zu empfehlen. Griffe auf der Gitarre können sich Menschen selbst beibringen, ein Streichinstrument ist aber nicht ganz so leicht anzufassen. Je älter ein Mensch ist, der Cello lernen möchte, umso besser muss die Beziehung zum Lehrer oder der Lehrerin ausfallen. Diese Beziehung ist sehr privat, es findet im Einzelunterricht eine Gefühlsübertragung des eigenen Anspruchs und Wunsches an das Cellospiel auf die lehrende Person statt. Einige gute Musiker sind grottige Lehrer - und umgekehrt. Wer erst einmal Cello spielen lernen möchte und die Grundlagen benötigt, sollte sich im Zweifelsfall für den besseren Lehrer / Psychologen als für den besseren Virtuosen entscheiden - es sei denn, der/die Schüler(in) hat ein wirklich starkes Nervenkostüm. Unter dieser Voraussetzung kann sie/er auch bei einem pädagogischen Anti-Talent (weit verbreitet) Cello spielen lernen.


Andreas Thiemig, Cello / Standort: Kaufbeuren bei München


nächstes Konzert 24.02.19 Friedberger Kammerorchester
Tel 0172/ 8224723



Freitag, 25. September 2015

Pau Casals


Pablo Casals


Den Cellisten Pau Casals i Defilló (1876 - 1973) kennt man heute international als Pablo Casals, jedoch mochte er die katalanische Form “Pau” seines Namens wesentlich lieber. Seine Enkelschüler, auf die hier eingangen wird, nannten ihn "Pablo Casals". Er war Sohn eines Organisten und begann als etwa Neunjähriger mit dem Geigenspiel, dann sah er erstmals bei einem Konzert einen Cellisten (Josep García aus Barcelona). Casals schildert das in seiner Biografie in etwa so: “Er trug einen Es-ist-erreicht-Schnurrbart und spielte majestätisch auf seinem Cello. ...  Glanz erfüllte mich. ... . Fortan hielt ich meine Geige beim Üben wie ein Cello. Meine Mutter verstand, was sich ereignet hatte, und überredete meinen Vater, mich Cello spielen zu lassen.” Mit 13 Jahren entdeckte er die Bach-Solosuiten, als junger Mann (deutlich über 20 Jahre alt) führte er sie erstmals auf. Den Moment der Entdeckung schildert er in seiner Autobiografie so: “Sechs Suiten für Cello allein! Ich war überwältigt, presste die Noten an mein Herz und eilte nach Hause, um sie zu üben.” Er spielte sie fortan in extenso, also mit allen Wiederholungen und in der von Bach vorgegebenen Reihenfolge, die absolut logisch ist (und wenn zehnmal Rostropowitsch und andere die Reihenfolge auf ihren Aufnahmen durcheinanderwürfeln). Vor Casals waren die Suiten nur bruchstückhaft aufgeführt worden. Als Jugendlicher spielte Casals fast täglich in einem Café, der interessierte Inhaber ließ ihn gelegentlich richtige Klassik aufführen. Später eroberte er die europäischen und internationalen Konzertsäle sowie die Adelshäuser, sein erstes gutes Cello schenkte ihm die spanische Königin, die ihn später auch mit dem Orden Carlos III ehrte. Er wurde Solocellist im Gran Teatre del Liceu, gleichzeitig Lehrer und konzertierender Solist. Teilweise gab er 30 solistische Konzerte monatlich, einmal wurde er auf der Bühne ohnmächtig. Casals war auch Dirigent und Komponist, seine internationale Karriere ist auch für dieses Genre beispiellos. Noch mit weit über 90 Jahren übte er täglich rund drei Stunden. Man fragte ihn: Wozu? - “Oh”, sagte Casals. “Ich denke, ich mache Fortschritte.”

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Casals und die Politik

Pablo Casals wandte sich aktiv gegen die faschistische Franco-Diktatur und wurde verfolgt, er musste ins Exil gehen. Bevor ihm das gelang, besuchten ihn während des Bürgerkrieges deutsche Faschisten - Verbündete Francos - in seinem Haus, die ihn kannten und denen er nicht ausweichen konnte. Es waren Nazis und Musikliebhaber, die ihn baten, etwas vorzuspielen. Casals lehnte ab. Einer von ihnen fragte, ob er das Cello einmal anfassen dürfe. Casals konnte sich nicht verweigern und schildert den Moment so: “Als er mein Cello berührte, spürte ich, wie mir schlecht wurde.” Er exilierte und litt Not wie viele seiner Landsleute, doch auch in jener Zeit übte er täglich mindestens drei Stunden. Seine politische Überzeugung war demokratisch und republikanisch. Nach der russischen Oktoberrevolution und dem Sieg der Kommunisten trat er in Russland nicht mehr auf. Nach 1945 gab er für Jahre aus Protest gegen die Franco-Regierung keine öffentlichen Konzerte. Auch Deutschland mied er wegen dessen Nazi-Vergangenheit bis 1954. Casals wurde für sein Engagement vielfach geehrt und gilt als einer der größten Humanisten des 20. Jahrhunderts. In seinem Privatleben war er mehreren Frauen in tiefer Liebe verbunden, zuletzt der 61 Jahre jüngeren Marta Montañez, mit der er bis zu seinem Tod verheiratet blieb. Sie ist heute Vizepräsidentin der Casals-Stiftung.



Andreas Thiemig, Cello / Standort: Kaufbeuren bei München


Tel 0172/ 8224723



Donnerstag, 24. September 2015

Cello Akademie

Cello Akademie

Sehr erfreulich ist es, wenn sich Vereine wie die Cello Akademie Rutesheim des Cellospiels annehmen und dabei diejenigen fördern, die Cello spielen lernen möchten. In Rutesheim gibt es Meisterkurse, zudem führt der Verein ein Cello Festival durch. Die Förderung kommt zu einem großen Teil von privaten Sponsoren, jedermann kann sich beteiligen. Vorstände des Vereins sind Prof. Herbert Trück und Christian. Solche Kurse vermerkt wohl jeder Cellist irgendwann in seiner Biografie. Ohne verantwortungsvolle Förderung hätten junge, begabte und fleißige Cellisten nur wenig Chancen, daher ist diese Initiative ausdrücklich zu begrüßen. Begabte Nachwuchsmusiker profitieren von starken Lehrern, die praktizierende Orchestermusiker und Solisten sind. Diese geben nicht nur unersetzliche Tipps, sie zeigen auch Möglichkeiten und aktuelle Grenzen auf, ohne den jungen Musiker zu demotivieren. Ein wirklich guter Lehrer zweifelt nicht an seinem Schüler, er weist ihm den Weg, so lang und steinig dieser auch sein mag. An der Akademie in Rutesheim unterrichten solche Lehrer. Die jungen Solisten können bei Festivals im Abschlusskonzert ihr Können beweisen.


Cello Akademie fördern

Wer spenden möchte, darf irgendwann beruhigt zurückblicken, denn Kunst lebt von Förderung - anders geht es nicht. Die hier genannte Cello Akademie Rutesheim bietet die Möglichkeit, Vereinsmitglied zu werden, sich mit einer Gastelternschaft anzumelden oder Studenten aufzunehmen. Dabei werden Sprachenwünsche und kulturelle Interessen berücksichtigt. Auch als Fahrer können sich Interessenten anmelden. Nicht zuletzt freut sich die Cello Akademie in Rutesheim über Geldspenden.

Andreas Thiemig, Cello  / gegenwärtiger Standort: Kaufbeuren bei München

nächstes Konzert Friedberger Kammerorchester 24.02.19 Schloss Friedberg
Tel 0172/ 8224723

Mittwoch, 23. September 2015

Cellomusik J.S.Bach

Cellomusik von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750)


Es gibt von Johann Sebastian Bach mehr als nur die Cellomusik der Sechs Solosuiten, allerdings keine Konzerte. Seine beiden Söhne Johann Christian und Carl Philipp Emanuel Bach schrieben dafür sehr hübsche und auch heute gern gespielte Cellokonzerte. Hier wäre etwa als Tonbeispiel der 2. Satz von Christian Bach c-Moll anzuführen.
Die Cellomusik außerhalb der Violoncello Solosuiten von Johann Sebastian Bach findet sich in seinen Kantaten und Oratorien in der Form wundervoller Kantilenen, die das Herz des Cellisten beflügeln und das der Sopranistin dahinschmelzen lassen, wenn sich die beiden auf die Weise im Duett wiederfinden. Auch borgen sich Cellisten gern einen großen Hit wie das Bach Air:




Die Cellosuiten von Johann Sebastian Bach schrieb dieser in Köthen zwischen 1717 bis 1723, in dieser Zeit entstanden auch die Partiten für Violine Solo, die Brandenburgischen Konzerte, das Wohltemperierte Klavier und weitere wichtige Werke. Cellisten jener Tage führten die Suiten auch auf. Sie nehmen ebenso wie andere Solowerke - beispielsweise für die Flöte - einen bestimmten Platz in Bachs Lebensplan ein. Sein gigantisch großes Werk sollte alle bekannten Besetzungen jener Zeit mit Musik beliefern. Das beginnt beim einstimmigen Streichinstrument (Doppel- und Mehrfachgriffe sind natürlich in Hülle und Fülle eingebaut) und reicht bis zum großen Chor- und Orchesterwerk. Vorausgegangen war der kompositorischen Lebensaufgabe die Einführung der temperierten Stimmung durch den Organisten Andreas Werckmeister (1645-1706), der erstmals die Oktave in zwölf physikalisch identisch differenzierte Halbtöne einteilte, was der reinen Stimmung der Natur widerspricht, aber kompositorisch eine unerhörte Revolution eröffnete. Daraufhin schrieb Bach sein "Wohltemperiertes Klavier" mit Präludien auf jedem Halbtonschritt der Skala, was vorher nicht möglich war. Eine weitere harmonische Revolution - ausgenommen die 12-Ton-Technik von Arnold Schönberg - gab es seither in der europäischen Musikgeschichte nicht mehr.

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Einordnung der Cellosuiten Bachs

Da Bach gleichzeitig die Tradition der großen Renaissance-Meister - etwa Pierluigi Palestrina (1515 - 1594) - fortführte, die streng und hochkomplex in reiner Stimmung komponiert hatten, schlug er fortan einen großen Bogen zwischen den alten Meistern und den modernen Kompositionsmöglichkeiten. Etwas genauer wird das hier erläutert.
Die Cellosuiten von Bach in sind in diese Kompositions- und Musikgeschichte einzuordnen, während sie innerhalb der Cellomusik einen besonderen Platz einnehmen. Lange waren sie fast vergessen beziehungsweise wurden nur auszugsweise gespielt, teilweise sogar mit Klavierbegleitungen, was ein Irrweg war. Bach hatte sie gerade für das rein intonierende Streichinstrument geschrieben. Pablo Casals (1876 - 1973), der sie für das frühe 20. Jahrhundert wiederentdeckte, stimmte manchmal sogar die C-Saite höher (um einen Viertel- bis Halbton), wenn er Bach-Suiten spielte. Alle Cellisten lieben die Suiten unendlich, das Publikum kennt leider kaum mehr als den 1. Satz der 1. Suite in G-Dur. Vor Publikum ausprobiert (viele Hundert Male) Sind folgende Sätze besonders effektvoll:

Erste Suite 1. Satz Prélude 

Erste Suite 5. Satz Menuett I und II

Zweite Suite 4. Satz Sarabande

Dritte Suite 1. Satz Prélude 

Dritte Suite 2. Satz Allemande

Dritte Suite 6. Satz Gigue

Vierte Suite 5. Satz  Bourrée  I und II

Fünfte Suite 1. Satz  Prélude

Fünfte Suite 2. Satz Allemande (unbedingt mal ausprobieren! Sensation!)

Sechste Suite 2. Satz Allemande

Sechste Suite 5. Satz Gavotte I und II


Die sechste Suite in D-Dur hat Bach für eine (wahrscheinlich von ihm erfundene) Viola Pomposa mit einer 5. E-Saite geschrieben. Auf dem modernen Cello müssen ohne diese Saite Doppelgriffe in hohen Lagen gespielt werden, was die Suite technisch sehr anspruchsvoll macht. Die Viola Pomposa besaß offensichtlich keinen Stachel, sie wurde zwischen den Knien gehalten und natürlich mit einem "Barockbogen" gespielt, wie es uns im folgenden Video die wundervolle französische Cellistin Ophélie Gaillard auf einem zwar modernen, aber fünfsaitigen und stachellosen Cello demonstriert.


Die hier vorgestellte Gavotte aus der sechsten Suite lieben alle Cellisten. Sie muss allerdings auf den Einsen betont werden, nicht auf den schweren Septimengriffen, die auf der Takt-3 stehen. Wenn die Einsen betont werden (es ist ein Tanz!), ist es die gewünschte große, majestische Nummer der Cellomusik. 
Andreas Thiemig, Cello / Standort: Kaufbeuren bei München
nächstes Konzert 24.02.19 Schloss Friedberg
Tel 0172/8224723





Montag, 21. September 2015

Cellomusik: Welches Repertoire wird erwartet?

Das Standardrepertoire aller Cellisten nach einem Hochschulstudium sollten die beiden Haydn-Konzerte C-Dur und D-Dur (Probespielkonzerte) sein, des Weiteren Dvořák h-Moll, Saint-Saëns, Lalo, natürlich alle sechs Bach-Suiten in extenso, vielleicht dazu etwas von den Bach-Söhnen wie Christian Bach c-Moll (auch von den Bratschern gern gespielt) und Carl Philipp Emanuel Bach F-Dur (auch in A-Dur notiert), die Beethoven-Sonaten, die drei Reger-Solosuiten, diverse Schmunzetten wie den Schwan von Saint-Saëns, das Kol Nidrei von Bruch, das Prayer und vielleicht auch das Schelomo von Bloch, ein bisschen was Modernes wie Schostakowitsch oder Kabalewski (die sowjetischen Komponisten: hoch interessant, weil Stalin bei Todesstrafe harmonische Experimente verbot und sie daher mit herkömmlichen Mitteln höchst interessant komponierten), natürlich Beethoven Tripelkonzert und Brahms Doppelkonzert, vielleicht ein, zwei Brahms-Sonaten, die Francoer-Sonate und solche Dinge sein. Es kann im Laufe des Lebens ruhig noch etwas mehr werden, manchmal bedienen sich Cellisten auch bei der Geigenliteratur, wie hier zu sehen ist. Gern nehmen sie einige der großen Schmunzetten in ihr Repertoire auf, etwa das Bach Air:

Wie sagte der Casals-Enkelschüler Herr Karl-Heinz Schröter während des Cellounterrichts? "Die Cellomusik ist ja begrenzt, doch wir müssen sehen, dass wir in vier Jahren Studium da durchkommen."   http://kultur-am-wochenende-kaufbeuren.blogspot.de/

Kennt das Publikum diese Cellomusik?
Nein, vielfach kaum. Die Haydn-Konzerte beispielsweise sind wie überhaupt alles oben Erwähnte wunderschön, die Leute staunen, wenn sie es hören. Doch auf einem Werbeplakat erzielen sie null Effekt. Doch wenn ein Geiger auf sein Werbeplakat "Sibelius Violinkonzert" schreibt, hat er auch keinen Effekt, und das ist eines der schönsten Konzerte überhaupt. Das Kol Nidrei von Max Bruch ist im Konzert - zum Beispiel mit Orgel - ein echter Knaller, die Leute fangen bei dieser Cellomusik an zu weinen. Die Leute kennen nur die Titel nicht.  Man muss Cellomusik daher heute anders vermarkten, YouTube dürfte uns weiterhelfen. Hier lassen sich auch Adaptionen unterbringen wie eine der Rokokovariationen von Tschaikowski:





Andreas Thiemig, Cello / Standort: Kaufbeuren bei München
nächstes Konzert 24.02.19 Schloss Friedberg Konzert
Tel 0172/ 8224723





Sonntag, 20. September 2015

Cellomusik im Orchester


In jedem Orchesterwerk bis hin zur Moderne spielen Celli und Bässe sehr oft unisono, das Cello spielt als Bassfiguren eine Oktave über dem Kontrabass. Das ist nicht die einzige Verdoppelung von Stimmen im Orchester, die Celli und Bässe sind beispielsweise auch sehr oft unisono mit den Fagotten, die Flöten mit den Violinen und so fort. Jedoch nahmen sich seit der Klassik wichtige Komponisten der Cellogruppe an und vergaben an sie eigene Melodien, beginnend mit Joseph Haydn und zum ersten Mal in voller Blüte Beethoven in seinen Sinfonien - berühmt der 2. Satz der V. - und sehr bemerkenswert in der Coriolan-Ouvertüre. Dieses herrliche Motiv arbeiten aus der Sicht eines Cellisten die Dirigenten stets zu wenig heraus.



Schubert folgte in seiner Unvollendeten dieser Idee, danach Brahms (3. Sinfonie), Tschaikowski (Symphonie pathétique), Dvořák (8. Sinfonie) und Debussy („La Mer“). http://kultur-am-wochenende-kaufbeuren.blogspot.de/


Bedeutung der Cellomusik im Orchester

Die Operettenkomponisten und auch die Walzerfamilie Strauß haben die Cellogruppe oft mit dankbaren Aufgaben bedacht, wenn man nur an das Eingangsthema der Schönen Blauen Donau denkt. Damit bewies Johann Strauss (Sohn), was er für ein genialer Arrangeur war, worauf übrigens der Zwölftontechniker Arnold Schönberg den bei ihm in Wien studierenden Hanns Eisler hinwies (Komponist der DDR-Nationalhymne), als jener verächtlich über die Wiener Walzer die Nase rümpfte. In der Caféhausmusik, im Rock (Kurt Cobain) und in der modernen Heavy-Metal-Szene (Apocalyptica) liebt man das Cello über alles.  


Andreas Thiemig, Cello - Standort Kaufbeuren bei München, nächstes Konzert 24.02.19 Friedberger Kammerorchester

Tel 0172/ 8224723   oder andreasthiemig@googlemail.com



Samstag, 19. September 2015

Andreas Thiemig, Cello ; Standort: Kaufbeuren bei München, Tel 0172/ 8224723 oder andreasthiemig@googlemail.com 


Cellospielen: Ist das schwer?

Ich erkläre mich hiermit für befangen, denn ich (Jahrgang 1962) spiele seit meinem 8. Lebensjahr Cello und habe daher heute (2015) einen verstellten Blick auf die Schwierigkeiten. Vielleicht hilft der Vergleich: Viele Musiker spielen mehrere Instrumente (ich selbst Klavier, Gitarre, auch Ausflüge zum Kontrabass gab es), die Schwierigkeiten sind nur schwer vergleichbar. Die Streichinstrumente Bass und Cello ähneln sich natürlich sehr, wobei der Bass wie eine Gitarre in ihren am tiefsten klingenden Saiten in Quarten gestimmt ist, das Cello hingegen in Quinten. Saiteninstrumente verlangen physisch viel mehr Kraft als etwa das Klavier. Spieler von Saiteninstrumenten brauchen eine Hornhaut auf den linken Fingerkuppen und müssen sie sich neu erspielen, wenn sie eine Weile pausiert haben. Das Klavier verlangt eine enorme Denkleistung. Pianisten sollten die Strukturen ihrer Stücke stets harmonisch analysieren. Dem nebenbei Klavier spielenden Cellisten hilft das dann auch beim Merken eines pfiffigen harmonischen Durchgangs in einem Haydn-Cellokonzert. Unser Psychologiedozent an der Hochschule "Hanns Eisler" Dr. Hellige (Gastdozent der Humboldt-Uni) verwies uns darauf, dass Lernen nicht das Aufeinanderstapeln von Gedächtnisinhalten, sondern das Einordnen in ein logisches System bedeutet. Dieses System bietet Musikern unter anderem die Harmonielehre. Von diesem Wissen abgesehen ist Cellospielen - wie das Spielen jedes Instruments - schlichtes Handwerk. Die Intonation etwa muss ständig trainiert werden, selbst für einfachste Stücke.



Intonation bei der Cellomusik

Die Intonation muss lupenrein sein, was Cellisten - ein Tipp für Cello-Beginner - dadurch erreichen, dass sie jeden Ton mit einer Leersaite vergleichen. Das funktioniert bei Oktaven, Quinten, Quarten, Terzen und Sexten, bei Septimen natürlich nicht. Gegriffene Terzen und Sexten müssen in sich stimmen. Der Cellist, der Bach-Suiten spielt, kann die vollkommen reine Stimmung als Intonationsgrundlage wählen, während bei einer Klavier- oder Orchesterbegleitung die Anpassung an die absolut temperierte Stimmung (Klavier) oder an die Orchesterstimmung, die von den Bläsern kommt, erforderlich ist. Das ist hier zu sehen:



Die Umstellung ist in den ersten 20 Jahren des Cellospielens gar nicht so einfach. Dann habt Ihr Euch langsam daran gewöhnt. Stimmt das Cello möglichst auf 440 Hertz, wenn Ihr Bach spielt. Die Instrumente waren damals längst nicht so hoch gestimmt wie heute, historische Celli klingen also bei 440 Hertz besser. Die moderne Stimmung von 443 - 444 Hz kommt von der Entwicklung der Oboen im 19. Jahrhundert, die im Orchester den Stimmton angeben. Hier habt Ihr den Kammerton a mit 440 Hz, das könnt Ihr beim Üben irgendwo (ohne Stimmgabel) auch mit dem Smartphone aufrufen, wenn Ihr Cellomusik übt.