Montag, 21. September 2015

Cellomusik: Welches Repertoire wird erwartet?

Das Standardrepertoire aller Cellisten nach einem Hochschulstudium sollten die beiden Haydn-Konzerte C-Dur und D-Dur (Probespielkonzerte) sein, des Weiteren Dvořák h-Moll, Saint-Saëns, Lalo, natürlich alle sechs Bach-Suiten in extenso, vielleicht dazu etwas von den Bach-Söhnen wie Christian Bach c-Moll (auch von den Bratschern gern gespielt) und Carl Philipp Emanuel Bach F-Dur (auch in A-Dur notiert), die Beethoven-Sonaten, die drei Reger-Solosuiten, diverse Schmunzetten wie den Schwan von Saint-Saëns, das Kol Nidrei von Bruch, das Prayer und vielleicht auch das Schelomo von Bloch, ein bisschen was Modernes wie Schostakowitsch oder Kabalewski (die sowjetischen Komponisten: hoch interessant, weil Stalin bei Todesstrafe harmonische Experimente verbot und sie daher mit herkömmlichen Mitteln höchst interessant komponierten), natürlich Beethoven Tripelkonzert und Brahms Doppelkonzert, vielleicht ein, zwei Brahms-Sonaten, die Francoer-Sonate und solche Dinge sein. Es kann im Laufe des Lebens ruhig noch etwas mehr werden, manchmal bedienen sich Cellisten auch bei der Geigenliteratur, wie hier zu sehen ist. Gern nehmen sie einige der großen Schmunzetten in ihr Repertoire auf, etwa das Bach Air:

Wie sagte der Casals-Enkelschüler Herr Karl-Heinz Schröter während des Cellounterrichts? "Die Cellomusik ist ja begrenzt, doch wir müssen sehen, dass wir in vier Jahren Studium da durchkommen."   http://kultur-am-wochenende-kaufbeuren.blogspot.de/

Kennt das Publikum diese Cellomusik?
Nein, vielfach kaum. Die Haydn-Konzerte beispielsweise sind wie überhaupt alles oben Erwähnte wunderschön, die Leute staunen, wenn sie es hören. Doch auf einem Werbeplakat erzielen sie null Effekt. Doch wenn ein Geiger auf sein Werbeplakat "Sibelius Violinkonzert" schreibt, hat er auch keinen Effekt, und das ist eines der schönsten Konzerte überhaupt. Das Kol Nidrei von Max Bruch ist im Konzert - zum Beispiel mit Orgel - ein echter Knaller, die Leute fangen bei dieser Cellomusik an zu weinen. Die Leute kennen nur die Titel nicht.  Man muss Cellomusik daher heute anders vermarkten, YouTube dürfte uns weiterhelfen. Hier lassen sich auch Adaptionen unterbringen wie eine der Rokokovariationen von Tschaikowski:





Andreas Thiemig, Cello / Standort: Kaufbeuren bei München
nächstes Konzert 24.02.19 Schloss Friedberg Konzert
Tel 0172/ 8224723





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