Cellomusik von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750)
Es gibt von Johann Sebastian Bach mehr als nur die Cellomusik der Sechs Solosuiten, allerdings keine Konzerte. Seine beiden Söhne Johann Christian und Carl Philipp Emanuel Bach schrieben dafür sehr hübsche und auch heute gern gespielte Cellokonzerte. Hier wäre etwa als Tonbeispiel der 2. Satz von Christian Bach c-Moll anzuführen. Die Cellomusik außerhalb der Violoncello Solosuiten von Johann Sebastian Bach findet sich in seinen Kantaten und Oratorien in der Form wundervoller Kantilenen, die das Herz des Cellisten beflügeln und das der Sopranistin dahinschmelzen lassen, wenn sich die beiden auf die Weise im Duett wiederfinden. Auch borgen sich Cellisten gern einen großen Hit wie das Bach Air:
Die Cellosuiten von Johann Sebastian Bach schrieb dieser in Köthen zwischen 1717 bis 1723, in dieser Zeit entstanden auch die Partiten für Violine Solo, die Brandenburgischen Konzerte, das Wohltemperierte Klavier und weitere wichtige Werke. Cellisten jener Tage führten die Suiten auch auf. Sie nehmen ebenso wie andere Solowerke - beispielsweise für die Flöte - einen bestimmten Platz in Bachs Lebensplan ein. Sein gigantisch großes Werk sollte alle bekannten Besetzungen jener Zeit mit Musik beliefern. Das beginnt beim einstimmigen Streichinstrument (Doppel- und Mehrfachgriffe sind natürlich in Hülle und Fülle eingebaut) und reicht bis zum großen Chor- und Orchesterwerk. Vorausgegangen war der kompositorischen Lebensaufgabe die Einführung der temperierten Stimmung durch den Organisten Andreas Werckmeister (1645-1706), der erstmals die Oktave in zwölf physikalisch identisch differenzierte Halbtöne einteilte, was der reinen Stimmung der Natur widerspricht, aber kompositorisch eine unerhörte Revolution eröffnete. Daraufhin schrieb Bach sein "Wohltemperiertes Klavier" mit Präludien auf jedem Halbtonschritt der Skala, was vorher nicht möglich war. Eine weitere harmonische Revolution - ausgenommen die 12-Ton-Technik von Arnold Schönberg - gab es seither in der europäischen Musikgeschichte nicht mehr.
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Einordnung der Cellosuiten Bachs
Da Bach gleichzeitig die Tradition der großen Renaissance-Meister - etwa Pierluigi Palestrina (1515 - 1594) - fortführte, die streng und hochkomplex in reiner Stimmung komponiert hatten, schlug er fortan einen großen Bogen zwischen den alten Meistern und den modernen Kompositionsmöglichkeiten. Etwas genauer wird das hier erläutert. Die Cellosuiten von Bach in sind in diese Kompositions- und Musikgeschichte einzuordnen, während sie innerhalb der Cellomusik einen besonderen Platz einnehmen. Lange waren sie fast vergessen beziehungsweise wurden nur auszugsweise gespielt, teilweise sogar mit Klavierbegleitungen, was ein Irrweg war. Bach hatte sie gerade für das rein intonierende Streichinstrument geschrieben. Pablo Casals (1876 - 1973), der sie für das frühe 20. Jahrhundert wiederentdeckte, stimmte manchmal sogar die C-Saite höher (um einen Viertel- bis Halbton), wenn er Bach-Suiten spielte. Alle Cellisten lieben die Suiten unendlich, das Publikum kennt leider kaum mehr als den 1. Satz der 1. Suite in G-Dur. Vor Publikum ausprobiert (viele Hundert Male) Sind folgende Sätze besonders effektvoll:
Erste Suite 1. Satz Prélude
Erste Suite 5. Satz Menuett I und II
Zweite Suite 4. Satz Sarabande
Dritte Suite 1. Satz Prélude
Dritte Suite 2. Satz Allemande
Dritte Suite 6. Satz Gigue
Vierte Suite 5. Satz Bourrée I und II
Fünfte Suite 1. Satz Prélude
Fünfte Suite 2. Satz Allemande (unbedingt mal ausprobieren! Sensation!)
Sechste Suite 2. Satz Allemande
Sechste Suite 5. Satz Gavotte I und II
Die sechste Suite in D-Dur hat Bach für eine (wahrscheinlich von ihm erfundene) Viola Pomposa mit einer 5. E-Saite geschrieben. Auf dem modernen Cello müssen ohne diese Saite Doppelgriffe in hohen Lagen gespielt werden, was die Suite technisch sehr anspruchsvoll macht. Die Viola Pomposa besaß offensichtlich keinen Stachel, sie wurde zwischen den Knien gehalten und natürlich mit einem "Barockbogen" gespielt, wie es uns im folgenden Video die wundervolle französische Cellistin Ophélie Gaillard auf einem zwar modernen, aber fünfsaitigen und stachellosen Cello demonstriert.
Die hier vorgestellte Gavotte aus der sechsten Suite lieben alle Cellisten. Sie muss allerdings auf den Einsen betont werden, nicht auf den schweren Septimengriffen, die auf der Takt-3 stehen. Wenn die Einsen betont werden (es ist ein Tanz!), ist es die gewünschte große, majestische Nummer der Cellomusik.
Die hier vorgestellte Gavotte aus der sechsten Suite lieben alle Cellisten. Sie muss allerdings auf den Einsen betont werden, nicht auf den schweren Septimengriffen, die auf der Takt-3 stehen. Wenn die Einsen betont werden (es ist ein Tanz!), ist es die gewünschte große, majestische Nummer der Cellomusik.
Andreas Thiemig, Cello / Standort: Kaufbeuren bei München
nächstes Konzert 24.02.19 Schloss Friedberg
Tel 0172/8224723
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