Samstag, 19. September 2015

Andreas Thiemig, Cello ; Standort: Kaufbeuren bei München, Tel 0172/ 8224723 oder andreasthiemig@googlemail.com 


Cellospielen: Ist das schwer?

Ich erkläre mich hiermit für befangen, denn ich (Jahrgang 1962) spiele seit meinem 8. Lebensjahr Cello und habe daher heute (2015) einen verstellten Blick auf die Schwierigkeiten. Vielleicht hilft der Vergleich: Viele Musiker spielen mehrere Instrumente (ich selbst Klavier, Gitarre, auch Ausflüge zum Kontrabass gab es), die Schwierigkeiten sind nur schwer vergleichbar. Die Streichinstrumente Bass und Cello ähneln sich natürlich sehr, wobei der Bass wie eine Gitarre in ihren am tiefsten klingenden Saiten in Quarten gestimmt ist, das Cello hingegen in Quinten. Saiteninstrumente verlangen physisch viel mehr Kraft als etwa das Klavier. Spieler von Saiteninstrumenten brauchen eine Hornhaut auf den linken Fingerkuppen und müssen sie sich neu erspielen, wenn sie eine Weile pausiert haben. Das Klavier verlangt eine enorme Denkleistung. Pianisten sollten die Strukturen ihrer Stücke stets harmonisch analysieren. Dem nebenbei Klavier spielenden Cellisten hilft das dann auch beim Merken eines pfiffigen harmonischen Durchgangs in einem Haydn-Cellokonzert. Unser Psychologiedozent an der Hochschule "Hanns Eisler" Dr. Hellige (Gastdozent der Humboldt-Uni) verwies uns darauf, dass Lernen nicht das Aufeinanderstapeln von Gedächtnisinhalten, sondern das Einordnen in ein logisches System bedeutet. Dieses System bietet Musikern unter anderem die Harmonielehre. Von diesem Wissen abgesehen ist Cellospielen - wie das Spielen jedes Instruments - schlichtes Handwerk. Die Intonation etwa muss ständig trainiert werden, selbst für einfachste Stücke.



Intonation bei der Cellomusik

Die Intonation muss lupenrein sein, was Cellisten - ein Tipp für Cello-Beginner - dadurch erreichen, dass sie jeden Ton mit einer Leersaite vergleichen. Das funktioniert bei Oktaven, Quinten, Quarten, Terzen und Sexten, bei Septimen natürlich nicht. Gegriffene Terzen und Sexten müssen in sich stimmen. Der Cellist, der Bach-Suiten spielt, kann die vollkommen reine Stimmung als Intonationsgrundlage wählen, während bei einer Klavier- oder Orchesterbegleitung die Anpassung an die absolut temperierte Stimmung (Klavier) oder an die Orchesterstimmung, die von den Bläsern kommt, erforderlich ist. Das ist hier zu sehen:



Die Umstellung ist in den ersten 20 Jahren des Cellospielens gar nicht so einfach. Dann habt Ihr Euch langsam daran gewöhnt. Stimmt das Cello möglichst auf 440 Hertz, wenn Ihr Bach spielt. Die Instrumente waren damals längst nicht so hoch gestimmt wie heute, historische Celli klingen also bei 440 Hertz besser. Die moderne Stimmung von 443 - 444 Hz kommt von der Entwicklung der Oboen im 19. Jahrhundert, die im Orchester den Stimmton angeben. Hier habt Ihr den Kammerton a mit 440 Hz, das könnt Ihr beim Üben irgendwo (ohne Stimmgabel) auch mit dem Smartphone aufrufen, wenn Ihr Cellomusik übt.

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