Freitag, 25. September 2015

Pau Casals


Pablo Casals


Den Cellisten Pau Casals i Defilló (1876 - 1973) kennt man heute international als Pablo Casals, jedoch mochte er die katalanische Form “Pau” seines Namens wesentlich lieber. Seine Enkelschüler, auf die hier eingangen wird, nannten ihn "Pablo Casals". Er war Sohn eines Organisten und begann als etwa Neunjähriger mit dem Geigenspiel, dann sah er erstmals bei einem Konzert einen Cellisten (Josep García aus Barcelona). Casals schildert das in seiner Biografie in etwa so: “Er trug einen Es-ist-erreicht-Schnurrbart und spielte majestätisch auf seinem Cello. ...  Glanz erfüllte mich. ... . Fortan hielt ich meine Geige beim Üben wie ein Cello. Meine Mutter verstand, was sich ereignet hatte, und überredete meinen Vater, mich Cello spielen zu lassen.” Mit 13 Jahren entdeckte er die Bach-Solosuiten, als junger Mann (deutlich über 20 Jahre alt) führte er sie erstmals auf. Den Moment der Entdeckung schildert er in seiner Autobiografie so: “Sechs Suiten für Cello allein! Ich war überwältigt, presste die Noten an mein Herz und eilte nach Hause, um sie zu üben.” Er spielte sie fortan in extenso, also mit allen Wiederholungen und in der von Bach vorgegebenen Reihenfolge, die absolut logisch ist (und wenn zehnmal Rostropowitsch und andere die Reihenfolge auf ihren Aufnahmen durcheinanderwürfeln). Vor Casals waren die Suiten nur bruchstückhaft aufgeführt worden. Als Jugendlicher spielte Casals fast täglich in einem Café, der interessierte Inhaber ließ ihn gelegentlich richtige Klassik aufführen. Später eroberte er die europäischen und internationalen Konzertsäle sowie die Adelshäuser, sein erstes gutes Cello schenkte ihm die spanische Königin, die ihn später auch mit dem Orden Carlos III ehrte. Er wurde Solocellist im Gran Teatre del Liceu, gleichzeitig Lehrer und konzertierender Solist. Teilweise gab er 30 solistische Konzerte monatlich, einmal wurde er auf der Bühne ohnmächtig. Casals war auch Dirigent und Komponist, seine internationale Karriere ist auch für dieses Genre beispiellos. Noch mit weit über 90 Jahren übte er täglich rund drei Stunden. Man fragte ihn: Wozu? - “Oh”, sagte Casals. “Ich denke, ich mache Fortschritte.”

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Casals und die Politik

Pablo Casals wandte sich aktiv gegen die faschistische Franco-Diktatur und wurde verfolgt, er musste ins Exil gehen. Bevor ihm das gelang, besuchten ihn während des Bürgerkrieges deutsche Faschisten - Verbündete Francos - in seinem Haus, die ihn kannten und denen er nicht ausweichen konnte. Es waren Nazis und Musikliebhaber, die ihn baten, etwas vorzuspielen. Casals lehnte ab. Einer von ihnen fragte, ob er das Cello einmal anfassen dürfe. Casals konnte sich nicht verweigern und schildert den Moment so: “Als er mein Cello berührte, spürte ich, wie mir schlecht wurde.” Er exilierte und litt Not wie viele seiner Landsleute, doch auch in jener Zeit übte er täglich mindestens drei Stunden. Seine politische Überzeugung war demokratisch und republikanisch. Nach der russischen Oktoberrevolution und dem Sieg der Kommunisten trat er in Russland nicht mehr auf. Nach 1945 gab er für Jahre aus Protest gegen die Franco-Regierung keine öffentlichen Konzerte. Auch Deutschland mied er wegen dessen Nazi-Vergangenheit bis 1954. Casals wurde für sein Engagement vielfach geehrt und gilt als einer der größten Humanisten des 20. Jahrhunderts. In seinem Privatleben war er mehreren Frauen in tiefer Liebe verbunden, zuletzt der 61 Jahre jüngeren Marta Montañez, mit der er bis zu seinem Tod verheiratet blieb. Sie ist heute Vizepräsidentin der Casals-Stiftung.



Andreas Thiemig, Cello / Standort: Kaufbeuren bei München


Tel 0172/ 8224723



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