Mittwoch, 16. September 2015


Cellomusik gibt es etwa seit dem 15. Jahrhundert, aber längst nicht in der Form, in der wir sie heute kennen. Damals entwickelten sich die Gamben, gestrichene Saiteninstrumente mit Bünden, die heute noch selten gespielt werden, und parallel dazu die Viola-da-braccio-Familie ohne Bünde. Von dieser Familie sind die Violine, die Bratsche und das Cello übriggeblieben. Die Stimmungen und die Zahl der Saiten änderten sich im Laufe der Jahrhunderte, nur die Stimmung in Quinten gab es von Anfang an. Das Cello wies ab Mitte des 16. Jahrhunderts in der Regel vier Saiten auf, die auch eine F-Stimmung aufweisen konnten (F-c-g und auch B-F-c-g), bis sich die heute geläufige C-G-d-a Stimmung durchsetzte. Davon gab es immer wieder Ausnahmen. Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) schrieb seine 6. Cellosuite für ein fünfsaitiges Cello, die am höchsten klingende Saite war eine e-Saite (eine Quinte über der normalen a-Saite). Die Suite spielen wir Cellisten heute auf dem viersaitigen Cello, was aufgrund der geforderten Grifftechnik in den oberen Lagen sehr anspruchsvoll ist. Es klingt aber auch königlich. Im Jahr 2010 hatte ich die Gelegenheit, nahezu täglich alle sechs Bach-Suiten im Zwinger-Innenhof zu spielen (Konzertdaten aus 2010).

Cellomusik zwischen Barock und Romantik (19. Jahrhundert)


Die Cellosuiten von Bach waren für Cellisten geschrieben worden, die das Cello bis zur 4. Lage sicher beherrschten. Die Griffe sind zum Teil extrem schwer, wenn man der originalen Notation folgt (was einem erwachsenen Cellisten eine Ehre ist). Bach hat überall so komponiert, wie es sein musikalisches Genie verlangt, ohne auf die Probleme einer Spieltechnik Rücksicht zu nehmen. Er selbst war ein höchst virtuoser Organist und Pianist, er spielte sogar selbst ein wenig Cello. Es gab zu seiner Zeit Cellisten, welche die Suiten so aufführten, wie Bach sie geschrieben hatte. Die Tempi sind nicht bekannt, das Mälzel-Metronom wurde erst zu Beethovens Zeiten eingesetzt (1770 - 1827), auch bei vielen Haydn-Konzerten (1732 - 1809) sind die Tempi nicht ganz klar. Joseph Haydn kannte einen ausgezeichneten Cellist und komponierte klar für das Cello in den oberen Lagen, im 19. Jahrhundert schließlich folgten die großartigen romantischen Konzerte von Antonín DvořákCamille Saint-Saëns, Eduard Lalo 

und auch berühmte Miniaturen wie das  Kol Nidrei von Max Bruch. Das Schelomo (1915) und das Prayer (1924) von Ernest Bloch stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert. Diese Stücke und die Bachsuiten sind es, die dem Cello seinen Stellenwert als das vielleicht romantischste Instrument verleihen. Doch die Klassiker wie die großartigen Haydn-Konzerte und die bemerkenswerten Beethoven-Sonaten sollten bei der Cellomusik nicht vergessen werden.

21.07.17 Kaufbeuren

http://klassik-frei-21-07-17.blogspot.de/2017/05/klassik-am-freitag-21.html

http://konzert-klassik-am-freitag.blogspot.de/

http://konzert-am-frei-21-07-17.blogspot.de/

http://kultur-am-wochenende-kaufbeuren.blogspot.de/

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen