Andreas Thiemig, Cello, Standort: Kaufbeuren bei München, Tel 0172/ 8224723 o. andreasthiemig@googlemail.com
Die Entwicklung der virtuosen Cellomusik
Das Cello war nach seiner bauartlichen Entstehung im 15. Jahrhundert zunächst ein Begleitinstrument, ein kleiner Bass, und wurde doch alsbald mit Sololiteratur bedacht. Erste Solostücke sind von den Italienern Antonii, Giannotti, Gabrielli und Vitali überliefert (alle zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts), sie werden praktisch nicht mehr aufgeführt. Erst Georg Philipp Telemann (1681 – 1767), Antonio Vivaldi (1678 – 1741) und Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) mit seinen sechs Solosuiten, zu denen ich mich hier schon geäußert habe, hinterließen bemerkenswerte Cellomusik des Barock. Die Vivaldikonzerte und -sonaten sind wunderschön. Jedoch fordern weder Bach noch Telemann oder Vivaldi vom Cellisten eine Daumenlage, die sechste Bachsuite (die obere Lagen auf dem normalen viersaitigen Cello benötigt) wurde ja für die von Bach konstruierte Viola Pomposa mit einer fünften e-Saite geschrieben. Erst mit Joseph Haydns (1732 - 1809) Violoncellokonzerten wurde das Instrument im Gesamtumfang seiner fünf Oktaven ausgeschöpft, Flageolett-Töne reichen bis über das Griffbrett hinaus. Das Haydn D-Dur Konzert (Hob. VII b: Nr. 2) könnte nach Meinung von renommierten Cellosolisten das auf der Bühne schwerste Konzert sein. So äußerte sich jedenfalls mein Lehrer Karl-Heinz Schröter, ein Enkelschüler von Pablo Casals und zu meiner Studienzeit in den 1980er Jahren Solocellist der Staatskapelle Berlin.
Cellomusik zwischen Spätklassik und Moderne
Luigi Boccherini (1743–1805) war Cellist, seine Konzerte sind nicht nur maßgeschneidert für das Instrument komponiert, sondern auch amüsant. Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) schrieb Sonaten für Klavier und Cello, der Pianist muss so virtuos wie weiland Beethoven selbst spielen, während dessen Cellopartner ambitionierte Laien waren. Vom Cellisten verlangen die Sonaten vor allem sehr klassische Präzision (mein Lehrer Karl-Heinz Schröter: “wie das Pferd beim Dressurreiten”). Zu nennen sind für diese und die sich anschließende Epoche noch die Brahms-Sonaten und die Arpeggione-Sonate von Schubert. Es folgte die Romantik, die dem Cello eine neue, unerhörte Geltung verlieh. Camille Saint-Saëns (1835–1921) eroberte das Herz der Cellisten und der Damen mit dem “Schwan” und dem a-Moll-Konzert, Robert Schumann, Peter Tschaikowski (Rokoko-Variationen), Antonín Dvořák und Édouard Lalo schlossen sich an. Von Max Bruch ist das Kol Nidrei unglaublich bekannt, von Johannes Brahms das Doppelkonzert für Geige und Cello. Im 20. Jahrhundert schrieb Max Reger drei Solosuiten für Violoncello, die häufiger aufgeführt werden sollten, die Schwestern Nadia und Lili Boulanger komponierten in den 1910er Jahren für das Instrument, Ernest Bloch hinterließ das Schelomo und sein Gebet. Gern aufgeführt werden die Solokonzerte von Hindemith und Schostakowitsch, Letzterer hinterließ auch zwei wunderschöne Miniaturen (Adagio und Frühlingswalzer). Die Komponisten ab den 1970er Jahren bedürfen aus Sicht des klassischen Cellisten noch einiger Durchsetzung, bis man sie erwähnt. Nächstes Konzert Sonntag 24.02.19 Schloss Friedberg
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen