Andreas Thiemig, Cello / Tel: 0172/ 8224723 oder andreasthiemig@googlemail.com
Der Klang eines Cellos
Der Klang eines Cellos
Wenn Menschen von Cellomusik sprechen, erwähnen sie stets den warmen, der menschlichen Stimme so ähnlichen Klang. Der Bass hingegen gilt als Begleitinstrument (zu Unrecht, es gibt bemerkenswerte Kontrabass-Solokonzerte und -Virtuosen), die Geige gilt als “irgendwie fietschlich”, die Bratsche wird sträflicherweise erst gar nicht erwähnt. Alles knapp an der Wahrheit vorbei, findet der Cellist, der sich dennoch freut, dieses Instrument gewählt zu haben. Die Freude steht ihm ins Gesicht geschrieben.
Tatsächlich hat das Cello einen sehr großen Tonumfang, wenngleich dieser umstritten ist. Antonín Dvořák schrieb kurz vor der Veröffentlichung seines berühmten h-Moll-Konzertes, das Cello klinge eigentlich “nur in der Mittellage schön”. Nichtsdestotrotz schöpft gerade dieses Konzert den Tonumfang und alle Klangfinessen des Cellos vollständig aus. Auch Tschaikowski ließ die Cellisten von ihren tiefsten bis zu den höchsten Tönen spielen wie hier in der vorletzten Rokoko-Variation:
Doch wodurch klingt das Cello so schön?
Doch wodurch klingt das Cello so schön?
Streichtechnik beeinflusst den Klang
Alle großen Virtuosen, die weltberühmt wurden und es über Jahrzehnte blieben (und seit den Aufnahmen ab Mitte des 20. Jahrhunderts auch bleiben werden), spielen nahe am Steg, wozu eine hohe Saitenstellung erforderlich ist. Das ist sehr anstrengend, aber nur so schwingt der Korpus des Instruments in allen erdenklichen Facetten. Der Spieler braucht in der rechten Hand und im gesamten Arm viel Kraft bei hoher Geschmeidigkeit. Das Training dauert Jahrzehnte. Hinzu kommt das hochwertige Instrument, auch das eine umstrittene Angelegenheit. Die Preise für Streichinstrumente haben im 20. Jahrhundert absurde Dimensionen erreicht. Die teuerste Stradivari-Geige könnte diejenige sein, die einst Niccolò Paganini gespielt hatte und die heute in Cremona im Museum ausgestellt ist. Als in den frühen 1990er Jahren in Stockholm ein Geigenwettbewerb stattfand, transportierte man diese Geige unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen von Italien in die schwedische Hauptstadt, damit die drei Erstplatzierten des Wettbewerbs ihr Abschlusskonzert darauf geben konnten. Versicherungswert des Unternehmens: 50 Millionen Dollar. Doch ist das berechtigt? Schon in den 1980er Jahren untersuchten US-amerikanische Klangforscher mit holografischen Fotografien die Klangausbreitung in einer Stradivari und in anderen sehr hochwertigen Geigen, die “nur” 100.000 bis 200.000 Dollar kosten. Das Ergebnis: Der Klang in der Stradivari breitet sich wirklich optimaler aus. Vielleicht drei- bis fünfmal besser als im Instrument zum sechsstelligen Preis. Aber nicht zehn- oder 50-mal besser (das ist der Preisunterschied).
nächstes Konzert Schloss Friedberg Sonntagsmatinee 24.02.19
nächstes Konzert Schloss Friedberg Sonntagsmatinee 24.02.19
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